1947

Nachdem Django Reinhardt am 13. Februar 1947 von seiner Amerika-Reise nach Frankreich zurückgekehrt war, nahm er schon am 16. März zusammen mit Stéphane Grappelli für „Swing“ fünf Titel auf. Bei dieser Gelegenheit spielte Django Reinhardt nochmal seine akustische Selmer. Das Gros seiner Aufnahmen in diesem so reichen Jahr nahm er jedoch mit elektrisch verstärkter Gitarre auf, die von nun an sein Hauptinstrument sein sollte. Interessant ist dabei, verschiedene Versionen ein und desselben Stücks wie z. B. „Louise“ zu vergleichen, das Django Reinhardt, lediglich begleitet von Stéphane Grappelli am Klavier, bereits am 10. September 1938 in London aufgenommen hatte. Wenn man diese Version von 1938 mit der mit elektrischer Gitarre 1947 eingespielten Version vergleicht, wird schnell klar, dass die späterer Version eindeutig moderner ist und Django Reinhardt hier viel inspirierter improvisiert. Vor diesem Hintergrund wird – zumindest in diesem einen Beispiel – auch die These unhaltbar, Django Reinhardt sei im Wesentlichen ein akustischer Spieler gewesen und die Finesse seines Spiels sei mit der elektrischen Verstärkung verloren gegangen.

Schmitz/Maier („Django Reinhardt“; Oreos-Verlag 1985) schreiben zu diesem Jahr:

„Mit immensem Fleiß, überbordender Aktivität wird eine Sitzung nach der anderen in Angriff genommen. Noch immer scheint Django Reinhardt ein einfach unerschöpfliches Reservoir an musikalischen Einfällen zu regieren – ein seltsamer, diverse Fragen aufwerfender Widerspruch zu der Grundstimmung der Enttäuschtheit seit Amerika, das ihm den Höhepunkt seiner Karriere nicht geben konnte oder wollte.“

Django Reinhardt: „Boléro“ (1937)

Noch ein Boléro von Django Reinhardt, diesmal der am 14. Dezember 1937 aufgenommene „Boléro“, nicht zu verwechseln mit dem „Troublant Boléro“, den Django Reinhardt das erste Mal 1948 aufgenommen hat. Dieser Boléro hier ist insofern ein Novum, als er komplett durcharrangiert ist, d. h. keine Soli enthält. Besetzung: Philippe Brun, Gus Deloof, André Cornille [tp], Guy Paquinet, Josse Breyère [tb], Maurice Cizeron [fl], Michel Warlop, P. Bartel, Swetschin [vi], Django Reinhardt [g-solo], Joseph Reinhardt, Eugène Vées [g-rhythm], Louis Vola [b].

Django Reinhardt: „Troublant Boléro“ (1949)

Diese von Django Reinhardt [g] und Stéphane Grappelli [vi] im Januar/Februar 1949 in Rom zusammen mit einer italienischen Rhythmusgruppe1 aufgenommen Version des von Django komponierten „Troublant Boléro“ ist meine absolute Lieblingsversion, die u. a. auf einer Doppel-LP zu finden ist, die ich mir 1980 auf dem Stuttgarter Flohmarkt gekauft habe. Vom „Troublant Boléro“ gibt es verschiedene Versionen, darunter eine schöne von 1951 mit Sinfonieorchester.


1 Gianni Safred [p], Marco Pecori [b] und Aurelio de Carolis [dr].

Django Reinhardt: Die letzten Jahre

Die Lektüre der beiden Django-Reinhardt-Bücher, die ich gerade lese, hat mir neue Informationen über seine letzten Jahre gebracht. Django Reinhardt hat ja im Herbst 1946 eine Tournee duch die USA gemacht, bei der er u. a. erstmals mit dem neuen Bebop konfrontiert worden ist. Während die Tournee (Django Reinhardt spielte mit dem Duke-Ellington-Orchester bzw. mit Duke Ellington und der Rhythmusgruppe des Orchesters) von Publikum und Presse überwiegend positiv aufgenommen wurde, bekam er am allerletzten Abend, dem 24. November 1946, sehr schlechte Kritiken, weil er – verspätet – erst um 23 Uhr zum Konzert erschienen war. Er hatte einen Landsmann getroffen und im Gespräch den Konzerttermin total vergessen.

Schmitz/Maier („Django Reinhardt“) schreiben, dass Django Reinhardt in der Folge dieser Tournee in eine tiefe Selbstverständniskrise geraten war, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Michael Dregni („Django“) zufolge hat sich Django aber 1951 wieder gefangen, nachdem er monatelang keine Gitarre mehr angerührt hatte und nun von dem Altsaxofonisten Hubert Fol dazu gebracht wurde, eine neue Band, diesmal ein Sextett, zu gründen, und zwar – das war etwas Neues – mit jungen, vom amerikanischen Bebop beeinflußten Musikern. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (die jungen Musiker nahmen Django offenbar nicht ganz ernst) hat sich Django aber gut zurechtgefunden, und ein Engagement im Pariser Club Saint-Germain (von dem es auch Live-Mitschnitte gibt) wurde ein voller Erfolg. In diesen letzten Jahren – von 1948 bis zu seinem frühen Tod 1953 – nahm Django Reinhardt aber nur noch sporadisch auf, die allerletzte Session datiert vom 8. April 1953.